Eine kulinarische Tour durch die südliche Toskana Aug. 28, 2026 | in Allgemein, Blog Bettolle – “Relais La Leopoldina” Für unsere Urlaubsreise in die Toskana haben wir uns das Relais La Leopoldina in Bettolle als Ausgangspunkt ausgesucht – unter anderem deshalb, weil es ein sehr gutes Restaurant hat. Das Relais und das Restaurant selbst werde ich in einem weiteren Blogartikel noch genauer vorstellen. Hier soll es zunächst um unsere kulinarische Reise durch die südliche Toskana, ins Val di Chiana und Val d’Orcia gehen . Bettolle erwies sich für unsere Ausflüge als idealer Ausgangspunkt. Siena, Pienza, Montalcino, Montepulciano oder auch Arezzo sind gut und ohne lange Fahrzeiten erreichbar. So konnten wir jeden Tag eine andere Ecke erkunden und mussten trotzdem nicht ständig die Unterkunft wechseln. Ich habe alle besuchten und hier besprochenen Restaurants ganz unten im Blog noch einmal mit Adresse und Homepage und direktem Link aufgelistet. Vielleicht ergibt sich ja beim nächsten Urlaub in der Toskana die Gelegenheit, eines der Restaurants zu besuchen ? Alle Eindrücke und Empfehlungen in diesem Blog beruhen ausschließlich auf unseren persönlichen Erfahrungen und spiegeln die Meinung meines Mannes und mir wider. Was uns besonders gut gefallen hat, muss natürlich nicht für jeden genauso passen – Geschmäcker und Erwartungen sind bekanntlich verschieden. Deshalb: Gerne selbst nachsehen, vergleichen und sich eine eigene Meinung bilden. Trequanda – tolle Aussicht, Essen … überschaubar Für einen der ersten Abende in diesem Teil der südlichen Toskana enschied ich mich für ein Restaurant im beschaulichen Ort Trequanda. Das ist ein hübsches kleines Dorf, in 15 Minuten ist man durchgeschlendert, hat mit den Einheimischen ein Kopfnicken und Lächeln gewechselt, die Dorfkirche angesehen und hat damit die Hauptattraktionen von Trequanda durch. Weiter ging es zum Ristorante “Conte Matto”: Wir begannen mit klassischen Crostini, einer Auswahl verschiedener Leber- und Innereienaufstriche, und einer Ribollita, jener typisch toskanischen Suppe aus Gemüse, Brot und Kohl. Beide Gerichte verkörpern die typische toskanische Küche: einfache und günstige Zutaten, die dank der Kochkünste italienischer Mamas und Nonnas eigentlich immer gut schmecken. Leider fanden wir weder die Crostini noch die Ribollita erwähnenswert, in einem von Michelin gelisteten Restaurant hätte ich mir mehr an Geschmack erwartet – keine Empfehlung von mir. Danach hatten wir uns zwei etwas ungewöhnlichere Gerichte ausgesucht. Mein Mann – der mich übrigens tapfer bei der Suche nach den besten Trattorien und Restaurants begleitet und damit so manches kulinarische Experiment über sich ergehen lassen muss – nahm den „Arrosto morto“ mit Perlhuhn und Kaninchen. Hinter dem „Arrosto morto“ steckt eine schöne alte Geschichte: der Ausdruck bedeutet wörtlich „toter Braten“ und bezeichnet eine traditionelle Zubereitung im Topf – im Gegensatz zu am offenen Feuer oder am Spieß gegartem Fleisch wird es hier langsam und mit wenig Flüssigkeit in einem Topf geschmort. Ich entschied mich für das Wildschwein „Dolce e Forte“, ein Gericht nach einem alten florentinischen Renaissance-Rezept mit Pinienkernen, Rosinen, kandierten Orangen und Kakao. Das Wildschweinragout war geschmacklich sehr gut, aber die Portion so klein und lieblos auf den Teller geklatscht, daß es keine Begeisterungsstürme ausgelöst hat. Beim „Arrosto morto“ waren sowohl das Perlhuhn als auch das Kaninchen leider ziemlich trocken. Schade eigentlich, denn genau solche alten Gerichte suchen wir auf unseren Reisen. Vielleicht hatte der Koch einfach einen schlechten Tag. Wir würden jedenfalls wegen der Aussicht wiederkommen, zum Essen das nächste Mal aber eher woanders hingehen. Pienza, ein Aperitivo mit Aussicht und ein Abend in Follonico Am nächsten Tag ging es nach Pienza. Das Städtchen muss man eigentlich nicht groß planen – einfach das Auto abstellen und loslaufen. Durch die kleinen Straßen und über den Corso schlendern, in die Seitengassen schauen, hier und da stehen bleiben. Pienza ist überschaubar und gerade deshalb so angenehm. Dass die Stadt auch als „ideale Stadt der Renaissance“ bekannt ist, kommt nicht von ungefähr. Papst Pius II., der aus der Gegend stammte, ließ seinen Heimatort im 15. Jahrhundert zu einer nach den Vorstellungen der Renaissance geplanten Stadt umbauen. Aus dem kleinen Corsignano wurde Pienza – eine der frühesten Umsetzungen der Idee einer idealen Renaissance-Stadt. Und natürlich hat Pienza noch einen entscheidenden Vorteil: die Aussicht. Kaum hat man die Stadt durchquert, liegt die Landschaft des Val d’Orcia vor einem. Man könnte vermutlich jedes Mal wieder fotografieren und hätte trotzdem das Gefühl, noch nicht alles erwischt zu haben. Was uns an Pienza besonders gut gefällt: Man muss hier eigentlich gar keinen Besichtigungsplan haben. Nach dem Corso und der Piazza Pio II kann man einfach außen an den Stadtmauern entlangschlendern. Immer wieder öffnen sich kleine Ausblicke über das Val d’Orcia, und zwischendurch findet man kleine Bars und Lokale, bei denen man sich einfach mit einem Glas Wein niederlassen kann. Am späteren Nachmittag wollten wir eigentlich nur einen kühlen Aperitivo. Bei Temperaturen zwischen 38 und 40 Grad erschien es uns als vernünftigster Plan 😉 Die Augusthitze war auch für die lokalen Einwohner ungewöhnlich, seit Juli herrschten hier Ausnahmetemperaturen. Unsere Wahl fiel auf die Terrazza della Val d’Orcia. Der Name verspricht nicht zu viel: Die Aussicht ist wirklich schön. Allerdings muss man das Lokal erst einmal finden – es liegt etwas versteckt, und wer nicht weiß, wonach er sucht, läuft vermutlich erst einmal daran vorbei. Also: Augen auf. Und dann braucht man etwas Geduld. Das Service war bei unserem Besuch ausgesprochen langsam. Für ein erfrischendes Glas Franciacorta mit Aussicht ist die Terrasse aber durchaus eine gute Adresse. Das Restaurant selber wird allerdings erst ab 19 Uhr geöffnet. Als Ergebnis langer Internetrecherchen beschloss ich, für unser Abendessen ein anderes Lokal zu probieren und weiter ging es nach Follonico, zum Agriturismo mit angeschlossenem Ristorante “La Chiusa”. Schon die Lage macht Freude: wieder diese toskanische Weite, wieder eine schöne Aussicht – und dazu ein sehr gepflegter Agriturismo. Wer nicht nur essen, sondern auch bleiben möchte, kann hier in 17 Zimmern übernachten. Was uns sofort positiv auffiel, war der Service. Kompetent, freundlich und aufmerksam, ohne dabei aufdringlich zu sein. Nach dem eher gemächlichen Aperitivo in Pienza habe ich mich über das aüßerst freundliche Service sehr gefreut. Zum Auftakt teilten wir uns eine Tartare di Chianina. Danach kam das, worauf wir uns besonders gefreut hatten: eine Bistecca alla Fiorentina für zwei. Und die hatte es durchaus in sich – 1,2 Kilogramm inklusive Knochen. Das wussten übrigens auch die Katzen des Hauses. Mehrere von ihnen hatten sich in der Nähe versammelt und beobachteten das Geschehen mit einer Mischung aus Geduld und sehr berechtigter Hoffnung. Bei einem solchen Stück Fleisch kann man schließlich nie wissen, ob für die vierbeinigen Restaurantgäste nicht doch etwas abfällt. Sie wurden nicht enttäuscht. 😉 Die Bistecca selbst war allerdings für unseren Geschmack etwas zu zäh. Wir hatten den Eindruck, dass das Fleisch nicht ausreichend abgehangen war. Und auch die ausgesprochen scharfen Messer, die man uns dazu gab, konnten daran nicht viel ändern. Bei einer Fiorentina in dieser Gewichtsklasse hätten wir uns ehrlich gesagt mehr Zartheit gewünscht. Danach gab es noch Dessert: ein neu interpretiertes Tiramisu, das durchaus gut war, uns aber nicht nachhaltig beeindruckt hat. Das Semifreddo al miele hingegen hat uns deutlich besser gefallen – sehr schön und genau das Richtige nach einem so üppigen Abendessen. Bei der Weinbegleitung hatten wir mehr Glück: Wir entschieden uns für einen Nobile di Montepulciano von Tiberini, der sehr gut zum Abend und vor allem zum Fleisch passte. Unser Fazit : im Ristorante La Chiusa war nicht alles perfekt. Die Fiorentina hätte für unseren Geschmack zarter sein dürfen und auch das Tiramisu war eher „gut“ als „eccezionale“. Trotzdem würden wir wiederkommen. Vielleicht liegt es an der Kombination: die schöne Lage, der angenehme Agriturismo, der wirklich gute Service, die insgesamt gesehen gute Küche und das angenehme Gefühl, irgendwo mitten in der toskanischen Landschaft zu sitzen und den Abend einfach laufen zu lassen. Und natürlich an den Katzen. Die hatten an diesem Abend jedenfalls keinen Grund zur Beschwerde. Castello di Leonina – große Landschaft und großartige Küche Schon die Fahrt zum Castello di Leonina war für uns ein Teil des Ausflugs. Von Bettolle aus ging es über Montichiello und weiter über kleine Straßen und durch Dörfer, die manchmal kaum mehr als aus einer Handvoll Häusern bestehen. Links und rechts tauchten die Crete Senesi auf – diese für die Gegend so typischen, sanft geschwungenen Hügel aus hellem Ton, die durch Wind und Wasser ihre fast skulpturalen Formen bekommen haben. Die Landschaft gehört für mich zu den eigenwilligsten der Toskana: weniger lieblich als das Val d’Orcia, manchmal fast karg und mit einer ganz eigenen Weite. Wir waren im August unterwegs. Die Felder waren bereits gemäht und soweit das Auge reichte, lag alles in warmen Gold- und Beigetönen vor uns. Dazwischen immer wieder ein einzelnes Landgut, ein paar Zypressen ragen hin und wieder auf den Hügeln auf. Im Frühling oder Frühsommer stelle ich mir die Crete Senesi noch einmal ganz anders vor, grüner und frischer. Aber auch diese trockene, goldene Augustlandschaft hat ihren Reiz. Dazu türmten sich an diesem Nachmittag riesige weiße Wolken am Himmel auf. Regen gab es zum Glück keinen – was uns natürlich sehr gelegen kam, denn unser Abendessen sollte auf der Terrasse stattfinden. Und was für eine Terrasse! Wir waren etwas zu früh und beschlossen deshalb, einfach einen Aperitivo zu nehmen und die Zeit verstreichen zu lassen. Kein schlechter Plan. Bei dieser Aussicht fällt Warten erstaunlich leicht. Ein Glas in der Hand, die Landschaft vor Augen, das ist für mich der perfekte Urlaub in der Toskana. Der Duft von getrocknetem Gras, Rosmarin , Zypressen vermischte sich in der Sommerhitze und erinnerte mich an Toskana-Urlaube in meiner Kindheit. Als ersten Gang bestellte ich Ravioli mit Pappa al pomodoro, dazu eine Creme aus halbgereiftem Pecorino, Basilikumöl und kandierter Zitrone. Für meinen Mann waren die handgemachten Pici nach dem Rezept von „Nonna Bruna“, mit einem Ragù von Ente aus dem Valdarno und Safran aus dem Val d’Orcia , das absolute Highligt der gesamten kulinarischen Reise. Beide Gerichte waren ausgezeichnet. Besonders die Kombinationen haben uns gefallen, eine Mischung aus traditionellen toskanischen Zutaten und kleinen, überraschenden Akzenten. Die kandierte Zitrone zum Pecorino, der Safran zum Entenragù, ein Lob in die Küche! Wir ließen deshalb gedanklich – und ziemlich ausdrücklich – Nonna Bruna hochleben. Ich werde versuchen, ihr Ragout daheim nachzukochen, wenn’s gelingt wird das Rezept natürlich online gestellt! Rinderfilet mit Chianti Classico, saisonalem Gemüse und kandiertem Ingwer kam als Hauptgang für meinen Mann , war sehr gut, perfekt gebraten und schön kombiniert. Ich hatte mir das Pollo alla cacciatora bestellt. Dieses Gericht koche ich selbst sehr gerne und war neugierig, was ein guter Koch daraus machen würde. Auf der Karte wurde es mit Sellerie, Karotte, Zwiebel, Tomaten, schwarzen Oliven und schmelzend gegarten Kartoffeln beschrieben. Ich bekam allerdings im Wesentlichen eine gegrillte Hühnerbrust auf Tomatensugo, dazu ein paar kleine Stückchen gehackter Oliven. Nun kann eine gute gegrillte Hühnerbrust natürlich durchaus gut schmecken – diese war auch nicht schlecht. Nur mit Pollo alla cacciatora hatte sie für mich nicht sehr viel gemeinsam. Ist natürlich Jammern auf höchstem Niveau… Zum Glück gab es noch das Dessert. Und damit wurde wirklich einiges wieder gutgemacht. Das Semifreddo al Panforte Senese mit Zitronengel und aufgeschäumtem Honig war schlicht himmlisch. Traumhaft. Ich hatte irgendwann tatsächlich keine vernünftigen Worte mehr dafür – und habe es deshalb gleich zweimal hintereinander bestellt. Das allein wäre für mich fast schon ein Grund, noch einmal zum Castello di Leonina zu fahren. Dazu ein guter Wein, langsam tiefer werdendes Licht und schließlich ein wunderschöner Sonnenuntergang über den Crete Senesi. Herz, was willst du mehr? Im Castello di Leonina kann man übrigens auch übernachten. Es gehört also nicht nur ein Restaurant, sondern auch ein Hotel dazu – und einen Pool gibt es ebenfalls. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass man hier ein paar Tage verbringen kann und irgendwann aufhört, Ausflüge zu planen – maximal vom Pool Richtung Aussichtsterrasse 😉 La Grotta – unser bisheriges kulinarisches Highlight Nach wieder einmal langer Recherche – rund um Montepulciano ist die Auswahl an guten Restaurants und Trattorien fast schon unüberschaubar – fiel unsere Wahl auf das Ristorante La Grotta. Es liegt etwas außerhalb von Montepulciano, direkt gegenüber der Chiesa di San Biagio. Der Renaissancebau aus Travertin aus dem 16. Jahrhundert wurde nach Plänen von Antonio da Sangallo dem Älteren errichtet und gehört für mich zu den beeindruckendsten Bauten der Gegend. Wir saßen im Garten von La Grotta, mit teilweise freiem Blick auf die Kirche. Dazu zwei Gläser Franciacorta , die uns bei fast 40 Grad Hitze – und das Abends um 20 Uhr, perfekt erfrischten. Als Vorspeisen kamen Fiori di Zucca , gefüllte Zucchiniblüten mit Ricotta, Tomatencoulis und Oliven-Crumble sowie eine Tartare vom Chianina-Rind. Danach Ravioli mit Carbonara-Füllung, Zucchini und knusprigem Guanciale. Eine ungewöhnliche Idee, die sehr gut funktioniert: cremige Carbonara, frische Zucchini und der knusprige Guanciale – eine wirklich schöne Kombination. Bei den Hauptspeisen ging es einmal Richtung Meer und einmal Richtung Land. Ich hatte gebratenen Seeteufel mit Pil-Pil-Sauce aus Aglione und Zucchini alla Scapece, mein Mann Capocollo di Maiale Etrusco mit Meerrettichschaum und Pfirsich-Chutney. Den perfekten Abschluß bildete das Dessert. Mein Mann hatte dankend abgewunken, ich habe mich – wie so oft – noch einmal geopfert. Das Semifreddo al Cioccolato Bianco mit Erdbeere, Rose und Mandel wurde in Form eines kleinen Schleckeises serviert. Eine geniale Idee. Weiße Schokolade, Erdbeere, ein Hauch Rose und Mandel – himmlisch. Ich hätte es am liebsten gleich noch einmal bestellt. Der Service war schnell, aufmerksam und freundlich – genau so, wie man es sich wünscht. Auf unsere Nachfrage erfuhren wir, dass Roberto Bruno das La Grotta 2024 übernommen hat, gemeinsam mit einem Patissier und Alessandro, dem Verantwortlichen für den Service. Wieder ein kulinarisches Highlight unserer Reise! So gut, dass wir überlegen, am Ende des Urlaubs noch einmal hierherzukommen. Und falls wir tatsächlich wiederkommen, ist zumindest eine Bestellung schon sicher: das Semifreddo. Man muss schließlich Prioritäten setzen. 😉 La Dogana in Valiano – viel Aussicht, aber nicht ganz unser Abend La Dogana liegt in Valiano, einem kleinen Ort zwischen Montepulciano und der Grenze zu Umbrien – und war für uns ein besonderer Tipp, weil wir ganz in der Nähe wohnten. Schon die Lage ist schön: Man sitzt direkt im Garten, schaut weit über die Landschaft und bekommt bei passendem Wetter den Sonnenuntergang gleich mitgeliefert. Der Küchenchef, Boet Berendsen, stammt aus den Niederlanden und hat sich vor einigen Jahren in Italien niedergelassen. Seine Küche verbindet italienische Tradition mit eigenen, kreativen Ideen. Der Empfang war freundlich, die Terrasse gemütlich, die Aussicht sowieso. Beim Essen hätten wir uns allerdings etwas mehr erwartet. Der marinierte Lachs mit Gurke, Radieschen und Limettenmayonnaise war bei uns leider warm und auch geschmacklich nichts, worüber wir noch lange gesprochen hätten. Meine Hühnerleber-Millefeuille mit knusprigem Filoteig, Blaubeeren und Montepulciano-Balsamicoessig. war sehr gut – allerdings war es ziemlich viel Leberpaté , mir hätte die Hälfte der Leberpaté schon gereicht. Herrje, was wir auf dieser Reise alles zu bemängeln haben 😉 Danach teilten wir uns Tagliatelle mit Babyoktopus und Mezzelune-Ravioli al tartufo, bevor die Hauptgerichte kamen: Drachenkopffilet mit Kräuterschaum und Safransauce – und Guancia di bovino, geschmorte Rinderbacke mit Rotweinsauce . Fazit: gut, aber nicht überragend – vielleicht waren wir schon zu verwöhnt von den vorherigen Abendessen… Wir haben auf alle Fälle die Aussicht sehr genossen, sehr kurzweilig war der Blick auf die Bahnlinie, die Nord- und Süditalien verbindet, und unter uns im Tal lag. Alle ein bis zwei Minuten brauste ein FrecciaRossa oder ein Regionalzug vorbei, wie kleine Spielzeug-Züge sahen sie für uns aus. Zehn Minuten später waren wir zu Hause. Das war an diesem Abend vielleicht das Beste an La Dogana. 😉 Il Passaggio by Capanna – ein Abend über den Crete Senesi Am Nachmittag dieses Tages war es selbst für den Pool zu heiß. Bei knapp 40 Grad saß ich lieber zwei Stunden im klimatisierten Zimmer unserer Unterkunft und recherchierte (zur Abwechslung…) wo wir am Abend essen könnten. Nach all den Tagen hatte sich die Suche schon zu einem eigenen Programmpunkt entwickelt. Die Wahl fiel auf Il Passaggio by Capanna, etwas außerhalb von Montalcino auf einem Hügel gelegen. Die Aussicht war die bisher schönste unserer Reise: weit über die Crete Senesi, über Hügel und Felder, die im Abendlicht immer goldener wurden. Dazu kam später ein wunderschöner Sonnenuntergang. Wir saßen in der klimatisierten Veranda mit ihrer großen Glasfront – bei dieser Hitze genau der richtige Platz. Es wurden uns ausschließlich Degustationsmenüs angeboten (mit 3 , 5 oder 7 Gerichten) , eine Auswahl à la carte war nicht möglich. Auf unserem Menü standen Fisolen aus dem eigenen Garten in einer Art Minestrone, Oktopus mit Salsa diavola, kalte Penne mit Rucola und Tauben-Bottarga sowie Pici mit Enzian, Zitrone und Pecorino di Fossa. Die kalten Penne waren nicht mein Fall. Auch bei den Pici musste ich feststellen, dass man Pecorino di Fossa mögen muss – der Käse gibt dem Gericht einen sehr kräftigen, strengen Geschmack. Danach kamen Cinta-Senese-Schwein mit Paprika und Algen sowie Artischocke mit Mandel, gefolgt von einem kleinen Dessert. Die Küche war ausgezeichnet, dazu kam ein sehr gutes Weinpairing, das den Abend schön begleitet hat. Service sehr professionell und schnell. Mein einziger Wermutstropfen war das Degustationsmenü. Ich hätte bei dieser Küche zu gerne selbst ausgewählt und manche Gerichte etwas ausführlicher probiert. Nach all den Restaurants, die wir auf dieser Reise schon ausprobiert hatten, wollte ich auch hier am liebsten selbst entscheiden, was auf den Teller kommt. Auf der Homepage des Restaurants hatte es so ausgesehen, als könne man die Gerichte auch einzeln bestellen… war aber bei unserem Besuch leider nicht der Fall. Trotzdem muss ich sagen, daß der Küchenchef sehr interessante kreative Küche auf hohem Niveau bietet. Kein Lokal für alle Tage, eher hochpreisig. Empfehlenswert für besondere Anlässe. Für diesen Abend hat sich die Recherche jedenfalls gelohnt, ich wurde ja mit dem schönsten Sonnenuntergang meiner bisherigen Urlaubstage belohnt. Abendessen mit Blick auf Siena Unseren letzten Abend der kulinarischen Toskanatour verbrachten wir im Restaurant Tar-Tufo in Siena , etwas unterhalb des Stadtzentrums, mit einer kleinen Terrasse und einem wunderbaren Blick über die Dächer von Siena. Das Restaurant interpretiert toskanische Produkte recht eigenständig und modern – und das hat uns ausgesprochen gut gefallen. Ich hatte die Ravioli „A Norma“, gefüllt mit geräucherter Melanzani, dazu ein Sugo aus 4 verschiedenen Tomatensorten , Creme con Ricotta salata und frisches Basilikum. Mein Mann entschied sich für die hausgemachten Paccheri mit handgeschnittener Ente, Morcheln, eingelegter Zitrone und Haselnüssen. Danach teilten wir uns die beiden Fleischgerichte: toskanisches Wildschwein, das mit einer Kruste aus Sangiovese-Trester und gegrillten Pfirsichen serviert wird, und Lamm in knusprigem Teigmantel mit Spinatcreme und schwarzem Trüffel. Beide Gerichte waren wunderbar – kreativ, aber nicht übertrieben gekünstelt. Sehr gut geschmeckt hat auch der Nachtisch: „Omaggio a Willy Wonka“ – eine Hommage an die Figur aus Charlie und die Schokoladenfabrik. Eine Variation von Schokolade und Haselnuss 😋. Besonders angenehm und kompetent war auch die Beratung durch eine der beiden weiblichen Chefs. Die zweite Chefin steht in der Küche und vollbringt am Herd wahre Wunder. Wir wurden bei den Gerichten bestens unterstützt und bekamen zu den Weinen ausführliche und wirklich interessante Informationen. Dazu dieser kleine Tisch auf der Terrasse, Siena vor uns und ein lauer Abend – hier hat alles gepasst, wir kommen wieder !!!! Tar-Tufo ist für uns ein ganz heißer Tipp für Siena. Unbedingt rechtzeitig reservieren, vor allem wenn man einen Platz auf der kleinen Terrasse möchte. Relais La Leopoldina Bettolle relaislaleopoldina.it info@relaislaleopoldina.it +39 0577 623447 Conte Matto Trequanda contematto.it info@contematto.it +39 0577 662079 / +39 393 0479116 Terrazza della Val d’Orcia Pienza terrazzadellavaldorcia.it info@terrazzadellavaldorcia.it +39 328 8965140 La Chiusa Montefollonico lachiusatuscany.com info@lachiusatuscany.com +39 0577 669668 La Terrazza di Leonina Asciano castelloleonina.com castellodileonina@bzarhotels.it +39 0577 716088 La Dogana Valiano / Montepulciano ladoganaristorante.it info@ladoganaristorante.it +39 339 5405196 Tar-Tufo Siena tar-tufo.com info@tar-tufo.com +39 0577 284031 La Grotta Montepulciano lagrottamontepulciano.com lagrotta.montepulciano@gmail.com +39 0578 757479 Ausserdem besucht haben wir: Ristorante “La Terrasse” in Monte San Savino Osteria “La Porta” in Monticchiello Beide Restaurants waren ok, schafften es aber nicht in unsere “Best of – Liste ” . Unser Fazit Die Auswahl an Restaurants in der Toskana ist natürlich riesig – und während unseres Aufenthalts kam noch dazu, dass wir hitzebedingt möglichst nur Restaurants mit einer schönen Außenterrasse gesucht haben. Innerhalb der Stadtmauern war es oft einfach zu heiß. Die Toskana glühte während unserer Reise förmlich. Umso beeindruckender fanden wir die Dichte an wirklich guten Restaurants. Natürlich profitiert die Region dabei auch vom starken Tourismus – die Nachfrage ist da, und entsprechend groß und vielfältig ist das gastronomische Angebot. Trotzdem lohnt es sich immer , vorab ein wenig zu recherchieren. Bei dieser riesigen Auswahl hätten wir manche unserer schönsten Restaurantentdeckungen vermutlich sonst gar nicht gefunden. Und genau diese kleinen, besonderen kulinarischen Fundstücke machen eine Reise erst so richtig interessant ( dieser Satz gilt für mich natürlich ganz besonders 😉 ).