Warenkorb

Es befinden sich keine Produkte im Warenkorb.

>> Jetzt Newsletter anmelden <<
>> Versandkostenfrei im Mai - Ab einem Warenkorb von € 99 in Österreich <<
bologna zentrum blick auf piazza maggiore und türme

Wochenende in Bologna

bologna piazza maggiore mit 2 espresso

Es gibt diese Städte, die seit Jahren auf jeder „Must-see in Italien“-Liste stehen. Und dann gibt es Bologna – die Stadt, an der man meistens einfach vorbeifährt. Im Zug Richtung Florenz. Auf dem Weg nach Rimini. Oder irgendwo zwischen „kurzer Umstieg“ und „wir holen uns schnell einen Kaffee am Bahnhof“. Bologna war lange eher Durchgangsstation als Reiseziel.

Vielleicht liegt genau darin aber ihr Vorteil. Die Stadt musste sich nie besonders inszenieren. Kein übertriebener Postkartencharme, keine Kulisse, die nur für Besucher funktioniert. Stattdessen wirkt Bologna angenehm normal – auf die beste mögliche Art. Und gerade deshalb hat sich das in den letzten Jahren verändert: Immer mehr Menschen bleiben inzwischen tatsächlich hier hängen. Nicht nur für ein paar Stunden, sondern für ein ganzes Wochenende.

Schnell merkt man auch warum. Bologna hat diese seltene Mischung aus Energie und Gelassenheit. Als traditionsreiche Universitätsstadt ist ständig Bewegung in den Straßen. Tagsüber sitzen Studenten unter den Arkaden, abends wird gegessen, diskutiert, Aperitivo getrunken – oft bis spät in die Nacht. Trotzdem wirkt die Stadt nie überdreht oder anstrengend. Selbst an belebten Plätzen hat Bologna etwas Entspanntes.

Dazu kommen die Viertel rund um das Zentrum: ruhige Straßen, alte Häuser mit Fensterläden, kleine Cafés an den Ecken und überraschend viel Alltag zwischen all den historischen Fassaden. Man hat schnell das Gefühl, dass hier nicht nur besucht, sondern tatsächlich gelebt wird. Genau das macht Bologna so angenehm. Die Stadt versucht nicht permanent, Eindruck zu machen – und bleibt gerade deshalb im Kopf.

bologna neptunsbrunnen
bologna strassenschild lenin
bologna zentrum

Das Quadrilatero – Bologna im Ausnahmezustand aus Genuss

Am Wochenende verwandelt sich das Viertel Quadrilatero in eine Art kontrolliertes kulinarisches Chaos. Enge Gassen, dicht gedrängte Menschen, überall Stimmengewirr, klirrende Gläser und der Duft von Kaffee, Parmesan und frisch aufgeschnittener Mortadella liegt in der Luft.

Ganz Bologna scheint sich dort gleichzeitig zu treffen.
Man sitzt draußen, drinnen, halb in der Tür, wo immer sich ein Plätzchen findet.  Niemand hat Eile. Alle essen. Alle reden. Und erstaunlicherweise wirken trotzdem sämtliche Menschen beneidenswert entspannt und gut gelaunt – vermutlich eine direkte Nebenwirkung ausreichender Schinkenversorgung.

Zwischen Bars, kleinen Feinkostläden und Restaurants stapeln sich Mortadella, Parmigiano Reggiano und Prosciutto in derartigen Mengen, daß uns schwindlig beim Hinsehen wurde. Wir landeten schließlich bei dem alteingesessenen Salumificio Simoni und bestellten eine gemischte Aufschnittplatte.
Was dann kam, war weniger eine Jause als eine diplomatische Offensive der Emilia-Romagna: hauchdünner Schinken, Mortadella, Käse, Salami – alles in einer Qualität, die einen sofort misstrauisch gegenüber sämtlichen Supermarktaufschnitten der Heimat macht.

Rundherum wurde gelacht, diskutiert, Aperitivo getrunken, irgendwo balancierte jemand noch ein Glas Wein und drei Teller gleichzeitig durch die Menge. Das Quadrilatero fühlt sich ein bisschen an wie ein riesiges gemeinsames Wohnzimmer der Stadt – nur mit deutlich besserem Essen. Leider haben wir es nicht bis zur Osteria del Sole geschafft, einer der ältesten Italiens (seit 1465!!). Hier funktioniert es noch nach einem uralten System: man kauft sein Essen anderswo und bringt es mit, vor Ort gibts nur die passenden Getränke , z.B. den typische Bologneser Pignoletto-Wein .  

Der “Mercato di Mezzo” ist eine kleine Markthalle, mit vielen kleinen Ständen mit kulinarischen Köstlichkeiten: Crescentine mit Culatello , kleine flache Brötchen mit Super-Prosciutto – muß man einmal in seinem Leben gegessen haben. 

Mitten im Zentrum von Bologna steht einer der bekanntesten Treffpunkte der Stadt: der Neptunbrunnen auf der Piazza del Nettuno. Die meisten bleiben kurz für ein Foto stehen, schauen dem bronzenen Neptun beim Bewachen des Platzes zu – und gehen weiter. Autofans sollten allerdings genauer hinsehen. Der Dreizack des Neptun wurde nämlich zur Inspiration für das Logo von Maserati, deren Gründer aus Bologna stammen. Ein ziemlich passender Ursprung für eine Marke, die italienisches Drama und Eleganz seit über hundert Jahren perfektioniert.

Nur wenige Minuten entfernt stehen dann die berühmten schiefen Türme der Stadt – die Asinelli- und Garisenda-Türme. Und ja: Die Türme in Bologna waren schief, lange bevor der von Pisa weltberühmt wurde. Vor allem der kleinere Garisenda-Turm wirkt heute fast absurd geneigt, als hätte jemand vergessen, ihn fertig geradezurücken. Der höhere Asinelli-Turm konnte früher bestiegen werden, aktuell ist der Zugang allerdings gesperrt. Wahrscheinlich auch besser für alle, die schon beim Blick nach oben leicht nervös werden.

In Bologna stolpert man nicht nur über mittelalterliche Arkaden und fantastische Pasta, sondern auch über erstaunlich viele Erinnerungen an die Zeit, als die Stadt als „la rossa“ – die Rote – bekannt war. Rot wegen der Ziegel. Und wegen der Politik. Vor allem wegen der Politik.

Schon beim ersten Spaziergang fühlt man sich ein bisschen wie in einem alternativen Universum Italiens. Während anderswo Heiligenstatuen und Luxusmode dominieren, entdeckt man hier plötzlich ein Straßenschild, das tatsächlich nach Lenin benannt ist. Kein Witz. 

Und dann die Trattorien.  In vielen Lokalen hängen noch Poster aus den 70ern: verblasste Solidaritätsplakate, Che-Guevara-Grafiken und Werbung für Kuba, die aussieht, als hätte Fidel Castro persönlich den Hauswein empfohlen. Neben dem Tresen hängt vielleicht ein vergilbtes PCI-Wahlplakat, darunter sitzen drei pensionierte Herren beim Lambrusco und diskutieren wahrscheinlich seit 1982 dieselbe politische Frage. 

 Die komunistische Stadtverwaltung  hat offenbar ziemlich gut funktioniert.

Bologna galt lange als eine der bestorganisierten Städte Italiens. Öffentliche Dienste funktionierten, die Stadt war wohlhabend, die Universitäten lebendig, die Lebensqualität hoch. Selbst Leute, die mit Kommunismus normalerweise ungefähr so viel anfangen können wie mit kalter Lasagne, geben hier oft zu: „Naja … die haben das schon ordentlich gemacht.“

Vielleicht liegt genau darin der Charme der Stadt. Bologna trägt ihre politische Vergangenheit nicht wie ein Museum vor sich her, sondern eher wie eine alte Lederjacke: etwas verblichen, leicht ideologisch, aber irgendwie cool.

 

bologna rad zu mieten
bologna radausflug am navile kanal

Das Wetter spielte bei unserem Wochenendausflug mit: wir hatten  drei perfekte Frühlingstage, an denen Italien aussieht, als hätte jemand den Kontrastregler zu hoch gedreht. Also mieteten wir an Tag 2 in Bologna zwei E-Bikes und beschlossen, „ein bisschen rauszufahren“.
Ein Satz, der in Reiseberichten harmlos klingt und oft teuer endet.

Unsere Route führte entlang des Canale Navile, vorbei an alten Schleusen, stillen Wegen und einer Mischung aus Industriecharme und leicht melancholischer Romantik. Das Wasser selbst hatte allerdings eher die Farbe von überzogenem Espresso. Baden stand definitiv nicht auf der Tagesordnung. Wahrscheinlich hätte selbst eine Ente vorher die Wasserqualität geprüft.

Und trotzdem: Der Kanal lebte.

Zwischen Schilf und bröckelnden Mauern paddelten Entenfamilien mit entzückendem ganz jungem und brav  organisiertem Nachwuchs vorbei.  Und dann die große Überraschung: Schildkröten!
Nicht eine. Nicht zwei. Überall kleine und größere Schildkröten, die zum Sonnen  auf Steinen und Ästen  saßen und uns musterten, als wären wir die eigentliche Attraktion.

Natürlich hätten vernünftige Menschen irgendwann umgedreht.
Wir hingegen dachten: „Ach, fahren wir noch ein Stück weiter.“

Irgendwo außerhalb der Stadtgrenze  – dort, wo Bologna langsam in Felder, Stille und italienische Provinz übergeht – lernten wir dann eine E-Bike-Verleihregel kennen, von der wir leider nichts wußten.  Die Details sind bis heute leicht verschwommen. Vielleicht waren wir in einer Zone, in der wir nicht sein sollten. Vielleicht waren die Räder beleidigt. Vielleicht wollte das Universum einfach einen kleinen Beitrag zur italienischen Staatskasse.

Jedenfalls wurden wir freundlich, aber bestimmt zur Zahlung von 20€ pro Ebike motiviert – Abbuchung automatisch über unsere Bikeverleih-App. 

Wir nahmen es sportlich, gönnten uns ein Eis und radelten wieder retour ins Zentrum.  Und ehrlich gesagt: der Ausflug  war es wert. Beim nächsten Mal bleiben wir einfach näher an Bologna.

tagliatelle al ragu in bologna
bistecca alla bolognese
neue weinsorte

Kulinarische Highlights  in Bologna

Natürlich kann man nicht nach Bologna fahren und dort einfach „irgendwas essen“.
Das wäre ungefähr so respektlos, wie in Wien einen Kaffee zum Mitnehmen zu bestellen oder in Neapel Ketchup auf Pizza zu verlangen.

Also arbeiteten wir uns pflichtbewusst durch die großen Klassiker der bolognesischen Küche. Rein kulturell natürlich. Fast schon wissenschaftlich.

Den Anfang machten die berühmten Tortellini in Brodo – kleine gefüllte Kunstwerke, serviert in einer Suppe , die so gut war, dass man kurz überlegt, sie literweise mitzunehmen. Diese Suppe hatte nichts mit den traurigen Flüssigkeiten zu tun, die man sonst manchmal unter dem Namen „Brühe“ kennt. Das hier war flüssiger Trost, vermutlich über Generationen perfektioniert.

Dann kam die Cotoletta alla Bolognese oder “Petroniana”
Oder vereinfacht gesagt: Die Bologneser nahmen ein paniertes Schnitzel und dachten sich völlig vernünftig:
„Schön. Aber könnte man da nicht noch Schinken, Parmesan und ein bisschen mehr Glück drauflegen? Das ganze in der Pfanne mit etwas Suppe schwenken , bis der Käse geschmolzen ist! ” 

Konnte man. Und wie man konnte. Muß man einmal im Leben probiert haben ! 

Natürlich mussten auch Tagliatelle al Ragù sein. Und hier lernt man in Bologna sehr schnell eine wichtige Regel:
Man sagt niemals „Spaghetti Bolognese“.

Nie.
Wirklich nie.

Ich glaube, irgendwo läutet sonst eine kleine Alarmglocke in einer Nonna-Küche.
Das Ragù gehört zu Tagliatelle – meist hausgemachte  Bandnudeln, die die Sauce aufnehmen können wie ein italienischer Schwamm aus Tradition und Gluten. Und Überraschung für alle, die außerhalb Italiens aufgewachsen sind: In echtes Ragù kommt erstaunlich wenig Tomate. Die Sauce ist kein roter Vulkan, sondern eher ein tiefgründiges, langsam gekochtes Fleischragout mit ernsthaften Absichten.

Begleitet wurde das alles von einem lokalen Rotwein namens Centesimino, den wir vorher nicht kannten, danach aber sehr respektierten. Ein Wein, der irgendwie perfekt zu Bologna passt: wenig internationaler Glamour, aber Charakter, Wärme und eine gewisse leise Überzeugungskraft.

Am Ende des Wochenendes hatten wir das Gefühl, nicht einfach gegessen zu haben, sondern aufgenommen worden zu sein – kulinarisch zumindest. Und vermutlich bestanden wir inzwischen zu ungefähr 14 Prozent aus Ragù.

bologna pasta in auslage

Die Arkaden von Bologna – Italiens größte überdachte Lebensversicherung

Nach spätestens zwei Stunden in Bologna versteht man:
Diese Stadt hat ein ernsthaftes Verhältnis zu Säulengängen.

Überall Arkaden. Kilometerlang. Endlos. Man hat manchmal das Gefühl, Bologna sei ursprünglich gar nicht als Stadt geplant gewesen, sondern als gigantischer überdachter Spaziergang mit gelegentlichen Häusern dazwischen.

Und ehrlich gesagt: genial.

Egal ob brennende Sonne, plötzlicher Regen oder leicht dramatische italienische Wetterstimmung – unter den Portici marschiert man einfach unbeirrt weiter, elegant geschützt wie in einer sehr stilvollen Fußgänger-Unterführung des 16. Jahrhunderts.

Dabei hat jeder Abschnitt seinen eigenen Charakter.
Mal läuft man unter prächtigen Fresken entlang, mit verzierten Decken, bei denen man automatisch langsamer geht und kurz überlegt, ob man vielleicht doch in einem Palazzo wohnt. Zwei Straßen weiter wird es plötzlich deutlich rustikaler: etwas dunkler, leicht bröckelnd, mit einer Beleuchtung, die an alte Mafiafilme erinnert. 

 Vor allem aber geben die Säulengänge einem ein wunderbares Gefühl von Orientierungslosigkeit ohne Stress. Man läuft einfach los, biegt irgendwo ab und landet trotzdem immer wieder unter irgendeiner schützenden Arkade.

Dahinter steckte einst ein sehr pragmatischer Plan.

Im Mittelalter platzte die Stadt aus allen Nähten. Die Universität zog Studenten an, immer mehr Menschen kamen nach Bologna – und Wohnraum war knapp. Also entwickelte man eine wunderbar italienische Lösung:
Wenn man schon nicht mehr Platz neben den Häusern hatte, baute man eben über die Straße hinaus.

Die Hausbesitzer mussten Arkaden errichten, damit darüber zusätzlicher Wohnraum geschaffen werden konnte. Im Grunde waren die Portici also eine frühe Form intelligenter Nachverdichtung – nur deutlich eleganter als moderne Betonkästen.

Und natürlich gab es Vorschriften.
Die Arkaden mussten hoch genug sein, damit ein Reiter auf einem Pferd problemlos hindurchreiten konnte. Was eine herrlich konkrete Maßeinheit ist. Nicht „2,40 Meter Mindesthöhe“, sondern eher:
„Passt da ein Mann auf Pferd durch? Ja? Perfekt.“

So entstand über die Jahrhunderte dieses unglaubliche Netz aus Säulengängen, das Bologna heute seinen ganz eigenen Charakter verleiht.

Bologna ist vermutlich die einzige Stadt, in der man sich verläuft und dabei trotzdem das Gefühl hat, gut aufgehoben zu sein.

bologna nacht
säulenganege in bologna
bologna zentrum

Eataly Bologna – zwischen Feinkost, Bücherliebe und Kirchenmauern

Mitten im Zentrum von Bologna gibt es einen Ort, an dem man sehr leicht die Orientierung über Zeit, Geld und ursprüngliche Einkaufsabsichten verliert: Eataly Bologna

Eigentlich wollten wir „nur kurz reinschauen“.
Ein Satz, der bei italienischen Feinkosttempeln ungefähr dieselbe Glaubwürdigkeit hat wie „Ich esse nur ein kleines Stück Parmesan“.

Denn dieses Eataly ist gefährlich gut gemacht. Unten duftet es nach frischer Pasta und Kaffee, irgendwo glänzen perfekt gestapelte Olivenölflaschen im warmen Licht, und plötzlich diskutiert man sehr ernsthaft darüber, ob man wirklich noch einen weiteren Balsamico braucht. Natürlich braucht man ihn.

Das hauseigene Restaurant machte die Sache nicht besser.
Man sitzt draußen auf der Straße ganz  entspannt, isst hervorragend und hat permanent das Gefühl, Teil einer sehr stilvollen italienischen Alltagsroutine zu sein. Selbst ein einfacher Teller Pasta wirkt hier, als hätte ihn jemand mit leichter religiöser Hingabe zubereitet.

Besonders überraschend war allerdings die Buchhandlung.
Und zwar nicht nur die obligatorischen Kochbücher in sämtlichen denkbaren Varianten von „Die Seele der Emilia-Romagna in 800 Rezepten“. Die Auswahl ging weit darüber hinaus: Literatur, Kunst, Geschichte, Politik – genau diese typisch bolognesische Mischung aus gut essen und gleichzeitig intellektuell bleiben wollen.

Und während man noch zwischen Büchern und Weinregalen umherstreift, entdeckt man an einer Innenwand plötzlich Überreste einer alten Kirche.
Ganz Bologna in einer Szene: Man kommt wegen Pasta und Parmesan – und endet vor mittelalterlichen Mauern mit einem Glas Wein in der Hand.

Diese Stadt schafft es einfach ständig, Alltag, Geschichte und Genuss so selbstverständlich miteinander zu vermischen, dass man irgendwann glaubt, das müsste überall auf der Welt so sein.

bologna ansicht eataly antike kirche

Ein Abend mit Lucio Dalla auf der Parkbank

Am letzten Abend in Bologna  spazierten wir eher zufällig an einem kleinen Park vorbei, ganz in der Nähe des äußerst empfehlenswerten Hotel Touring.
Schon allein wegen der wunderbaren Dachterrasse lohnt sich das Hotel: Blick über die roten Dächer Bolognas, die berühmten schiefen Türme im Abendlicht, irgendwo Kirchenglocken – kurz gesagt: genau die Art Aussicht, bei der man automatisch langsamer spricht und dringend ein Glas Wein braucht.

Und dann saß dort plötzlich Lucio Dalla.Oder zumindest seine Bronzestatue.

Ganz entspannt auf einer Parkbank, als würde er einfach kurz Pause machen und gleich wieder anfangen zu singen. Wer ihn nicht kennt: Lucio Dalla war einer der bekanntesten und beliebtesten italienischen Musiker überhaupt – in Bologna fast so etwas wie kulturelles Familienmitglied auf Lebenszeit.

Das Schöne an der Statue ist ihre völlige Unaufgeregtheit. Kein gigantisches Denkmal, kein heroischer Sockel, kein dramatischer Blick Richtung Ewigkeit. Er sitzt einfach da. Fast ein bisschen so, als würde er beobachten, wer sich zu ihm setzt.

Natürlich machten wir genau das – mein Mann ließ sich  sofort neben ihm auf der Bank nieder.
Die beiden wirkten sehr  harmonisch zusammen.  Fast so, als würden sie gerade ein sehr italienisches Gespräch führen über gutes Essen, Fußball oder darüber, warum man niemals Spaghetti Bolognese bestellen sollte.

Während ringsum Fahrräder vorbeiratterten und irgendwo Geschirr aus einer Trattoria klirrte, entstand einer dieser kleinen Reisemomente, die man nicht plant und später trotzdem am deutlichsten erinnert:
ein milder Abend in Bologna, ein Sänger aus Bronze – und mein Mann auf der Parkbank daneben, als wären sie alte Bekannte.

 

lucio dalla auf parkbank in bologna park

Fazit: Bologna kann man sehr leicht mögen

Bologna ist vielleicht nicht die Stadt Italiens mit den meisten weltberühmten Sehenswürdigkeiten.
Es gibt keine monumentale Kulisse wie in Rom und auch nicht diese überwältigende Kunst-Dichte von Florenz, bei der man nach dem x-ten Renaissance-Meisterwerk langsam kulturelle Erschöpfungserscheinungen bekommt.

Aber genau das macht Bologna so angenehm.

Die Stadt eignet sich perfekt für ein verlängertes Wochenende: groß genug, um ständig Neues zu entdecken, klein genug, um schnell ein Gefühl für den Alltag zu bekommen. Ganz leicht taucht man in italienisches Leben ein – unter Arkaden spazieren, Espresso trinken, über Märkte schlendern, abends in Trattorien sitzen und dabei feststellen, dass sich in Bologna offenbar alles irgendwann ums Essen dreht. Und das völlig zu Recht.

Denn kulinarisch ist die Stadt ein Ausnahmezustand.
Wer gerne isst, sollte Bologna besser nicht hungrig besuchen. Oder mit zu engen Hosen.

Gleichzeitig gibt es genug Kunst, Geschichte und Kultur, um auch den inneren Bildungsreisenden zufriedenzustellen: Kirchen, alte Palazzi, Musikgeschichte, politische Vergangenheit, versteckte Innenhöfe und immer wieder diese wunderbar entspannte Mischung aus Intellekt und Genuss.  Apropos Musikgeschichte:

Was viele gar nicht wissen: Bologna war über mehrere Jahrhunderte hinweg – gemeinsam mit Neaple  – eine der musikalischen Hauptstädte Europas. Die berühmte Accademia Filarmonica genoss internationales Ansehen, und Musiker aus ganz Europa kamen hierher zum Studieren.

Sogar Wolfgang Amadeus Mozart legte in Bologna seine Aufnahmeprüfung ab. Ganz reibungslos verlief das offenbar nicht – der junge Mozart soll dabei diskrete Hilfe eines Paters bekommen haben. Die Originaldokumente dieser Prüfung (und wo der Pater Mozart geholfen hat)  kann man heute noch im Museum der Akademie sehen.

Irgendwie beruhigend: Selbst Mozart hatte Prüfungsstress.

Und dann natürlich das Shopping.
Von kleinen Delikatessenläden bis zu eleganten Boutiquen kann man hier problemlos mehrere Stunden und einen nicht allzukleinen  Teil seines Reisebudgets verlieren. Die entsprechenden Empfehlungen finden sich ohnehin in jedem guten Reiseführer – und diesmal stimmen sie tatsächlich.

Bologna wirkt am Ende ein bisschen wie die sympathische, kluge Freundin unter Italiens berühmten Städten: nicht ganz so dramatisch oder glamourös wie andere, dafür entspannt, authentisch, genussfreudig und voller Charakter.

Und genau deshalb fährt man vermutlich irgendwann wieder hin.

Adressen: 

Hotel Touring, Via de Mattuianai, 40124 Bologna 

Ristorante Casa Merlò, Via de Gombruti 2d, Bologna – reservieren , ausgezeichnete Küche , sehr empfehlenswert

Osteria Vini d’Italia, Via Emilia Levante 124d, 40139 Bologna , klassische Gerichte der Bologneser Tradition , interessant wegen des komunistischen Flairs (Kuba-Werbung aus den 60ern an der Wand), liegt außerhalb des Zentrums (Taxi, Fahrrad) 

Salumeria Simoni, Via Drapperie 5/2 , Zentrum Quadrilatero  – super für kleine Pause, oder Abends zum Leuteschauen 

Lucia Dalla auf der Parkbank – Piazza Cavour 

Eataly Via degli Orefici 19 

Delikatessengeschäft Tamburini, Via Caprarie 1 

Palazzo dell’Archiginnasio, Piazza Galvani 1 – toll der antike Anatomiesaal der Universität , Online reservieren für Besichtigung! 

Basilica di San Petronio – Piazza Maggiore,  sehenswert der Meridian, als wir dort waren, markierte der Sonnenstrahl um 13.00 Uhr mittags den Tag und das passende Sternkreiszeichen 

Museo Internazionale e Biblioteca della Musica, Strada Maggiore 34 

Complesso di Santo Stefano – 7 Kirchen über-, auf- und nebeneinander , als Basis diente ein  Isistempel aus dem 1.Jh n.Chr. , Via Santo Stefano 24 

Fahrradverleih: mit der App RIDEMOVI, am besten vorher schon mal runterladen und aktivieren. Die E-Bikes werden laufend mit neuen Akkus versehen, man kontrolliert den aktuellen Stand mit der App und weiß dann, wieviel Km man fahren könnte. Für KLEINE  Ausflüge in der Stadt Bologna perfekt ! 

 

 

bologna zentrum blick auf piazza maggiore und türme